Sandy

„Sieh nur, ich kann die Wolken berühren“, sagte sie und streckte ihren Finger aus. Das Lächeln auf ihrem Gesicht wurde immer breiter. Sie fühlte sich so frei und gleichzeitig zwischen Himmel und Erde gefangen. Die Wolken kamen näher und schmiegten sich an ihren Körper und den meinen. Ich gähnte und deckte mich mit dem Purpur des Himmels zu. Sanft streichelte der Wind meine Nasenspitze und grade als ich sämtliche Bakterien aus meiner Nase schleudern wollte, berührten die seidenweichen Lippen von Sandy meinen Mund. Der Nieser ging aus Rücksichtname kräftig nach hinten los. Kurz bevor ich durch den Überdruck in meinem Inneren platzen würde, lies ich der Natur freien Lauf und tat schließlich so, als hätte ich mit dem veränderten Geruch der Luft nichts zu tun. Sandy lies sich davon nicht ablenken. Sie war damit beschäftigt mir selbst die kleinsten Essensreste zwischen meinen Zähnen zu entfernen. Ich fand das schön, das hatte nicht so was Unpersönliches wie beim Zahnarzt, der mir immer äußerst grob seine kalte Stahlspitze in den Rachen rammte. Sandys Zunge war mir wesentlich sympathischer. Irgendwann war es jedoch zu viel, als ich merkte wie mir ihr lauwarmer Speichel am Halse herunter ran, überfiel mich ein leichter Ekel. Ich bekam überall Gänsehaut und musste mich kurz schütteln. Als ich dann versuchte Sandy sachte von mir runterzuschieben, wurde sie nur noch energischer. Sie hielt meine Gänsehaut scheinbar für sexuelle Erregung und das Wegschieben für eine Art Spiel. Naja, sie war noch jung und unerfahren, aber äußerst süß. Ich mochte sie sehr. Also tat ich alles, um ihr ein guter Liebhaber zu sein. Umso mehr tat es mir leid, was dann passierte. Trotz des frischen Windes zogen wir uns in Ekstase aus, wenigstens versuchten wir das. Es war wunderbar. Ich berührte Ihren Köper zärtlich und streichelte sie an den verbotensten Orten. Sandy war irgendwann bei meinen Socken angelangt. Es war jedoch so warm, dass die Socken mit den Füßen zusammengewachsen schienen. Sandy wollte aber nicht locker lassen, sie war wohl auch so eine Fußmassagefetischistin. So zerrte sie bis die klügste nachgab und das war in diesem Fall die Socke. Der Rest war wirklich grausam anzusehen. Durch den Ruck flog Sandy nach hinten und prallte mit dem Kopf an einen Schornstein, kippte dann nach vorn, zog sich am Split des Daches das halbe Gesicht ab und Rollte schließlich Richtung Abgrund. Ich saß wie gelähmt da und betrachtete die tiefrote Blutspur auf dem Dach. Grade als ich Sandy, die direkt am Dachrand liegen blieb, retten wollte, kam eine große Krähe und setzte sich auf Sandys Matschkopf. Ich robbte vorsichtig Richtung Sandy, die winzigste Erschütterung hätte Sie wohl wieder ins Rollen gebracht. Als dann aber der Vogel anfing die schönen blauen Augen von Sandy anzupicken, konnte ich nicht mehr. Ich übergab mich. Die merkwürdigen Würgegeräusche meinerseits schienen dem Vogel nicht zu gefallen. Er nahm noch einen letzten Bissen vom Augapfel und flog davon. Ich dachte: „Gerettet!“ Falsch gedacht. An den Windstoß beim Abflug der Krähe habe ich gar nicht mehr gedacht. Es kam dann, wie es kommen musste. Sandy geriet wieder in Bewegung. Das letzte was ich von ihr sah, bevor sie auf der Danziger Straße aufschlug war das durch die Krähe herausgezottelte Auge. Ich vermisse Sandy wirklich, ich mochte sie sehr. Sie hat mein Leben wirklich nachhaltig beeinflusst. Dank Sandy bin ich reich geworden. Ich habe Socken mit Reißverschluss erfunden und den großen Reibach gemacht. Danke Sandy, ich mag dich!

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