Von Kapitänen und Maschinisten – Startup oder großer Konzern?

In letzter Zeit häuften sich die Artikel auf Spiegel Online über Fachkräftemangel und wie um die begehrten Mitarbeiter gebuhlt wird. Oft scheint es so, als würde sich eine Firma um einen potenziellen Mitarbeiter bewerben und nicht andersherum. Das gilt zwar vor allem, aber nicht nur für die IT-Branche. Hat man als Arbeitnehmer etwas zu bieten, kann man aus der Vielzahl der freien Stellen wählen – ein Luxusproblem. Doch wohin soll die Reise gehen? Zum Geld? Zu den besten Karrierechancen? Oder doch zur Berufung und dem persönlichen Glücksgefühl? Oder dahin, wo alles ist?

„Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität“

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern werden die Firmen immer kreativer. Sie wissen, dass der Pool der Fachkräfte nicht gerade üppig bestückt ist und wenn man guten Nachwuchs haben will, muss man sich etwas einfallen lassen. Geld spielt dabei zwar eine Rolle, ist aber nicht so wichtig wie viele meinen. Denn Geld ist zwar in unserer Gesellschaft die Grundlage für unsere Existenz und ermöglicht uns ein mehr oder weniger luxoriöses und teilweise sorgenfreieres Leben, aber als alleiniger Motivator ist Geld eher ungeeignet und wie die Zeit Online schreibt gar kontraproduktiv.

Dennoch fahren große Firmen teilweise unglaubliche Geschütze auf, um Mitarbeiter abzuwerben oder – auf der anderen Seite – zu halten. Laut Spiegel Online geht es dabei um teilweise sechsstellige Summen.

Wenn erst Tech-Riesen wie Google oder Facebook, deren Rivalität um Mitarbeiter schon legendär ist, gegeneinander antreten, geht es kaum noch um die Qualifikation des umkämpften Kandidaten – ’sondern nur noch darum, wer den Längsten hat’…

Kurzfristig wirkt das sicher motivierend, auf die Dauer sollte die Motivation aber eher von Innen kommen. Denn das größte Problem ist auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen.

Hingabe ist essenziell für Glück, Zufriedenheit und Erfolg. Egal, was Sie machen – entscheidend ist, dass Ihre Tätigkeit ein Teil Ihrer Identität wird.

Zufriedene Mitarbeiter leisten deutlich bessere Arbeit, sind weniger krank und damit für ein Unternehmen sehr wertvoll, sind sie doch Quelle für die Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt (Handelskammer Bremen).
Geld kann also kleiner Anreiz und Fundament für gute Arbeit sein, es ist aber kein Garant dafür.

Doch wie kommen Arbeitgeber und Arbeitnehmer so zusammen, dass tatsächlich eine Win-Win-Situation entsteht?

Die Qual der Wahl

Entscheidend ist natürlich, dass man als zukünftiger Mitarbeiter wissen sollte, was man eigentlich privat und beruflich (erreichen) will. Welche Ziele hat man sich gesteckt, was ist einem wichtig? Was sind die eigenen Stärken und Schwächen und was bringt Spaß? Wie möchte man Privatleben und Beruf unter einen Hut bringen? Nur wenn diese und andere Fragen geklärt sind, kann man nach einem passenden Job in einer passenden Firma suchen oder an der Gestaltung der Rahmenbedingunen des aktuellen Jobs mitwirken. Die Bereitschaft zur Kommunikation sollte auf jeden Fall da sein. Zwar kann der Chef manche Befindlichkeiten erahnen, aber in einen anderen Menschen reinschauen kann er nicht. Bevor sich also Unmut und Unzufriedenheit breit macht, sollte das Gespräch gesucht werden, um die Gesamtsituation zu verbessern 😉

Aber schon bei der Auswahl des potenziellen Arbeitgebers gilt es genau zu schauen, welches der vielen Angebote passend erscheint. Wie bereits weiter oben angedeutet, bieten die Firmen ganz unterschiedliche Motivatoren an, um gutes Personal anzulocken. Das reicht vom kostenlosen Gerstensaft bis zum Fitnessstudio. Aber auch das sind lediglich schöne Incentives, die das Gesamtbild abrunden können. Im Mittelpunkt steht schließlich die Arbeit an sich. Und da hat sich gezeigt, dass das selbstbestimmte Arbeiten ein ganz wesentlicher Baustein für die Zufriedenheit und Produktivität eines Mitarbeiters ist.

Motivierte moderne Angestellte müssen selbstbestimmt arbeiten dürfen und das Gefühl haben, zu einem höheren Ziel beizutragen…

Vertrauensarbeitszeit, Vertrauensurlaub und die Wahl des Arbeitsplatzes spielen dabei eine sehr große Rolle. Am Ende eines Tages sollte schließlich nicht zählen, wie viele Stunden man im Dunstkreis des Chefs verbracht hat, da dies noch lange nichts über die Qualität der Arbeit aussagt. Wichtig sind Resultate (Results Only Work Environment).

Aber auch Verantwortung ist ein wahrer Motivator. Sobald Mitarbeiter das Gefühl haben nicht nur zu funktionieren sondern ein wertvolles Mitglied der Wertschöpfungskette zu sein, kann das regelrecht beflügelnd wirken.

Genau das ist auch ein Punkt, warum es vor allem Berufseinsteiger in der IT-Branche zu den Startups zieht.

Alle im gleichen Boot?

Auf Grund der fehlenden Berufserfahrung haben Berufseinsteiger oft keine Chance bei mittelständischen bis größeren Konzernen, da die Einarbeitung Zeit und bares Geld kostet. Der neue Mitarbeiter ist ja nicht von Anfang an so produktiv wie jemand mit viel Erfahrung im Schlepptau – so die gängige Meinung.

Startups auf der anderen Seite haben oft wenig finanziellen Spielraum für die teuren Profis und können so hauptsächlich mit ihrer Struktur und einer Wette auf die Zukunft punkten (Stichwort ESOP). Flache bis keine Hierarchien und ein sehr dynamisches Umfeld ziehen also vornehmlich die frischen Absolventen an.

Betrachtet man die Rangliste der wichtigsten Merkmale attraktiver Arbeitgeber, findet man all das, was ein Startup vermeintlich bieten kann – Kreativität, Innovation, Flexibilität, Eigenverantwortung, Teamgeist… – ganz oben auf der Liste.

Das Gefühl, selbst etwas bewegen und mitentscheiden zu können, ist für qualifizierte und motivierte Hochschulabsolventen sehr wichtig. Mit diesen Stärken können gerade kleinere Unternehmen bei jungen Bewerbern punkten.

Es ist aber ein häufiger Trugschluss, dass die Innovationen hauptsächlich den kleinen, kreativen Startups entspringen. Denn immer öfter werden erfolgreiche Businessmodelle übernommen, angepasst und erweitert. Das ist legitim, denn Gründer, Investoren und Businessangels haben schließlich ein Interesse daran, das Kapital und die Arbeit nicht all zu leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Die Kreativität und Innovation bleibt dann jedoch häufig auf der Strecke, denn auch ein neuer Shop mit neuem Konzept bleibt letztlich ein Shop 😉

Man muss also genau hinschauen, welche Möglichkeiten man hat, bei einem Startup etwas „Neues“ aufzubauen und welche Position man dort besetzt. Zu tun gibt es auf jeden Fall sehr viel und wenn man tatsächlich in Entscheidungsprozesse involviert ist und am Erfolg patizipiert, ist die Beschäftigung sicher sehr befriedigend.

Gern wird in diesem Zusammenhang die Metapher eines Bootes genutzt. Gründer und Mitarbeiter säßen ja schließlich im selbigen. Und in der Tat scheint dies auf dem ersten Blick zu stimmen, da die Kommunikation zwischen allen Beteiligten direkt stattfindet und man eng zusammenarbeitet. Alle befinden sich auf einer Ebene – ein Ruderboot also.

Groß gegen klein

Im Gegensatz dazu sind die großen Konzerne die Dickschiffe mit mehreren Decks, deren Kapitäne man wahrscheinlich nicht persönlich zu Gesicht bekommt. Betrachtet man aber beide Unternehmensgrößen genauer, kann man zu dem Schluss kommen, dass es eigentlich gar keinen so großen Unterschied gibt.

Immer wieder hört man davon, dass junge Talente in Startups verheizt werden, weil der Druck sich am Markt zu etablieren und gegen die Konkurrenz zu behaupten extrem stark ist bzw. möglichst schnell ein möglichst lukrativer Exit angestrebt wird. De facto gibt es in Startups ebenso einen Kapitän der befehligt und eine Crew, die unter Deck schuftet. Ist die Galeere als Metapher vielleicht passender? Die Zielsetzung in einem Startup ist oft sehr klar und es gibt kaum Freiheiten zur Mitgestaltung. Arbeit nach Plan ist häufiger als man denkt. Time to market ist schließlich alles. Zuckerbrot und Peitsche!? Nein, im IT-Umfeld heißt es: Bei Überstunden gibt es Bier und Pizza 😉

2 Gedanken zu „Von Kapitänen und Maschinisten – Startup oder großer Konzern?

  1. Tobias sagt:

    hi alex,

    hab mit großem interesse deine artikel durchgelesen. mir fällt dazu folgender spiegel-artikel ein:

    http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,813325,00.html

    also meine antwort zu deiner frage „Doch wohin soll die Reise gehen?“

    ich finde arbeitskräfte aus einer cloud nur bei bedarf heranzuholen, da ist eigentlich nur einer der gewinner, das unternehmen. das spart nämlich viel geld und soziale verantwortung. richtig gruselig ist das ibm-modell zur bewertungen der arbeitnehmer. fällt die schlecht aus sinken die jobchancen. hört sich für mich nach dem gläsernen mitarbeiter an. in so einer umgebung hätten dann wirklich nur noch die stärksten eine überlebenschance.

    • Alex sagt:

      Hallo Tobi,
      da hast du vollkommen recht. Dieses Vorhaben verdeutlicht eigentlich mehr die Kluft zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern. Einer der wichtigsten Motivatoren für die meisten Menschen geht dadurch doch sofort verloren: die Identifikation mit einem Produkt oder Unternehmen. Das läuft nur noch auf Leistungsfähigkeit hinaus. Wie sagt man heute so schön? Competition 😉

      Alex

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