Lange Nacht – Es geht los

Etwas wehmütig kommen wir mit unserem privaten Shuttlebus am Flughafen in Phuket an. Kurz fragen wir uns, warum wir eigentlich nicht mit den anderen Gästen in einen Bus gesteckt wurden? Warum diese Sonderbehandlung? Riechen wir? Haben wir uns in den letzten 11 Tagen im Hotel schlecht benommen? Ist Dauerturteln schlecht? Kamen die anderen Gäste mit dem glücklichen Paar nicht klar? Das kann es nicht sein, oder? Darüber mache ich mir vielleicht später noch mal gesondert Gedanken.

Viel wichtiger ist für uns im Moment die Antwort auf die Frage: Wo ist doch gleich der Raucherbereich?
Direkt an der Front eines Burger Kings! Zufall? Absicht? Fällt da der Gestank der Zigaretten nicht auf? Oder soll der Gestank alten Fetts übertüncht werden? Man weiß es nicht. Eine Frage des persönlichen Standpunktes. Meiner Freundin und mir ist es egal. Wir gesellen uns zu den anderen Genussmenschen und verschwinden in der Masse. Verschwinden in einer Dunstwolke.

Schnell raus mit der Zigarettenschachtel. Ein wenig erschrecken wir uns noch immer, wenn wir eines der Bilder zum Sammeln und Tauschen auf der Box mit den Glimmstängeln sehen. Mindestens zehn Stück gibt es davon und wir haben sie alle! Hm. Wo gibt es eigentlich das passende Heft zum Einkleben? Wir haben beim Kauf nie eines erhalten. Stets vergriffen? Weil so begehrt? Noch haben wir die Hoffnung, dass es die bald in der Heimat gibt. Denn auch dort möchte man zukünftig die Gier nach dem blauen Dunst mit dem Sammeltrieb des Menschen noch weiter anheizen. Wir werden sehen.

Vorerst genießen wir eine der letzten Zigaretten auf thailändischem Boden und beobachten dabei die verschieden Reisenden, die ebenfalls auf ihren Transfer warten und fragen uns, welche Geschichte sich hinter den Menschen und ihren Taschen, Koffern, Rucksäcken und sonstigem Gepäck verbirgt. Wo wollen sie hin? Was haben sie geplant und was haben sie hier getan?
Warum haben zum Beispiel die beiden kleinen, europäisch aussehenden und alternativ gekleideten Mädels so riesige Koffer und Rucksäcke? Auswanderer? Junge Modedesignerinnen, die billigen Stoff abgegriffen haben?
Und was meinen die beiden etwas merkwürdig dreinblickenden deutschen Kerle mit „…ordentlich durchgeknallt…“? Ladehemmungen des geliehen Rollers? Schweinkrams? Fragen über Fragen, die unbeantwortet bleiben.

Wir haben aufgeraucht und begeben uns zum Self-Check-in. Und dort denke ich mir: Wow. Was für Sicherheitsvorkehrungen. Hier wird jeder bereits beim Betreten des Flughafengebäudes durchleuchtet. Mir wird wohlig warm und es macht sich tatsächlich ein Gefühl der Sicherheit breit. Dafür lege ich bereitwillig mein Gürtel ab und entleere meine Taschen und gehe durch den Metalldetektor, während Koffer, Jacke, Gürtel und Co durch den Röntgentunnel fahren. Bei mir piept es. Wie immer. Ich könnte vermutlich nackt da durch gehen und es piepte immer noch. Wurde ich doch eines Nachts heimlich von Aliens entführt? Haben sie mit mir Experimente gemacht und mir etwas eingepflanzt? Scheinbar interessiere ich mich aber mehr für das Piepsen als die thailändische Security. Keiner kümmert sich um mich. Ich darf passieren. Mein Koffer kriegt noch ein Stück Klebeband über den Reißverschluss geklebt: „Ungefährlich.“
Alles geht so schnell, dass ich es verpasst habe, noch eine Schachtel Kippen für die Reise aus dem schwarzen Rolli zu holen. Und nun? Nicht rauchen ist ja auch keine Alternative. Einfach das Sicherheitsetikett entfernen? Ich trau mich nicht. Ich frage eine Angestellte höflich, ob ich noch mal an den Koffer kann. Sie nickt und amüsiert sich mit ihren Kolleginnen prächtig, während ich zwischen Schlüpfern, Socken und ein paar Partyhüten eine Schachtel L&M herauszuppel. Schnell bekommt mein Gepäck ein neues Siegel und wir können weiter.

Es ist zwar noch viel Zeit, aber wir begeben uns trotzdem schon zum Gate. Wir sind nicht die ersten. Wie es sich für ordentliche Deutsche gehört, haben sich die Mitreisenden akkurat sortiert. Sie haben ein e Schlange gebildet und warten in Reih und Glied. Möchten die ersten sein. Das Handtuch liegt quasi schon, es gibt ja Platzkarten, aber die Zeitschriften reichen womöglich nicht. Eine gute Ausgangsposition beim Boarding verspricht anspruchsvolle Lektüre über den Wolken. So ist es auch nicht verwunderlich, dass alle mit verrückten Blicken auf die Boardingpässe der anderen starren, als das Boardingprozedere nach Gruppen erklärt wird. Niemand soll auch nur den Versuch starten sich vor zu schummeln! Jeder der es auch nur wagt sich mit einer falschen Gruppe Richtung Flieger zu bewegen wird von oben bis unten gemustert. Es wird getuschelt, hektisch gestikuliert und angeraunzt. Recht und Ordnung werden auch hier mit deutscher Gründlichkeit aufrecht erhalten.

Wir ergattern trotz schlechter Startnummern noch ein paar bunte Heftchen und freuen uns auf eine lange Nacht. Frei wie ein Vogel und doch eingezwängt wie eine Ölsardine.

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